Warum haben wir Angst vor dem Tod? Warum verdrängen wir ihn?

Mitte bis Ende des letzten Jahrhunderts wurde aus verschiedenen Motiven heraus das Sterben anonym gehalten. Nach den vielen Kriegstoten des 2. Weltkrieges wollte man nach vorn sehen. Da passten lange schwere Krankheiten und der Tod schlecht ins Bild. Durch Fortschritte in der Medizin konnte später oft erfolgreich der Kampf gegen Krankheiten aufgenommen werden, die Jahre früher viele Menschen das Leben kosteten. Leider wertete man aber damit auch das Sterben von Patienten zunehmend als Misserfolg der Ärzte, als Versagen im Kampf gegen die Krankheit. Gleichwohl passt Siechtum nicht zu unserer Vorstellung vom lebenstüchtigen, stets aktiven Menschen, der dann anerkannt ist, wenn er gut funktioniert. Es wurde die Medizintechnik weiter perfektioniert. Jetzt konnte das Sterben noch länger hinausgezögert werden. Dabei wurde aber zunehmend der Sterbende aus dem Blick verloren. Er wurde früher regelrecht abgeschoben. Man starb in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Auch heute bleibt der Sterbende oft noch allein, umgeben von perfekter Technik.

In der Gesellschaft wurde über diese Jahre hinweg das „ferne Sterben“ populär. Es verbreitete sich beispielsweise in den Familien der Gedanke, man solle die Verstorbenen besser nicht mehr sehen, damit man sie “in Erinnerung behalten würde, wie sie waren”. Alte Traditionen wurden nicht mehr gepflegt und gerieten so in Vergessenheit. Andere Rituale wurden abgeschafft, weil sie unmodern schienen. Heute ist es beispielsweise nicht mehr selbstverständlich, in schwarzer Kleidung zu gehen. Schon gar nicht ein ganzes langes Trauerjahr.

Der fehlende Kontakt zum Sterben und zu Toten rückte dieses Thema aus dem Blickfeld. Da man Gespräche darüber mied, griffen Verdrängungsmechanismen und es konnte sich Furcht breit machen. Betroffene lebten einsam, konnten sich kaum austauschen oder in ihrem Umfeld auf Verständnis hoffen.

Mit Cicely Saunders und Dr. Elisabeth Kübler-Ross setzte insgesamt im Umgang mit Sterben und Tod ein langsames Umdenken ein, welches in letzter Zeit auch in der Bevölkerung immer mehr Beachtung findet. Weder will man heute anonym und abgeschoben in einer Klinik sterben, noch das Leben um jeden Preis verlängern. Man erkannte ebenfalls, dass durch das Verbannen des Sterbens aus dem “funktionierenden” Leben auch sehr viel Wärme und Nähe verloren gegangen war. Es blieben nach dem Tod eines lieben Menschen leere Stellen zurück, die schwer geschlossen werden konnten. Zunehmend beginnt man jetzt wieder zu verstehen, dass das Abschiednehmen von Sterbenden und dem Verstorbenen für die meisten zwar oft ein sehr schmerzhafter Prozess, aber auch ein sehr elementares, ehrfurchtsvolles Erlebnis für die Hinterbliebenen ist, welches bei der Aufarbeitung des Verlustes sehr helfen kann. Ebendieser schwere Abschied wird später oft als befreiend empfunden und bleibt sehr lange, zumeist wohltuend, in der Erinnerung haften. Gleichfalls rückt anderes Gedankengut in unser Blickfeld. Man stellt manchmal überrascht fest, dass das Sterben nicht für alle Menschen so dramatisch, traurig und angstvoll besetzt ist wie für Viele von uns. Manche verstehen den Tod als Neubeginn oder eine neue Chance für die Seele des Verstorbenen und können so mit gemeinsamen Freunden die Zeit würdigen und feiern, die sie mit dem Verstorbenen verbringen durften. Daraus bilden sich manchmal neue Rituale.

Grundsätzlich glauben wir, dass es sich lohnt, die Themen Sterben und Tod wieder in unser Leben zurückzuführen. Wer die Kraft und den Mut findet, sich damit auseinanderzusetzen, kann daraus für sich selbst einen großen Gewinn ziehen. Wir möchten Sie dazu gern ermutigen! Vielleicht möchten Sie als Mitglied des Vereins mit uns zusammenarbeiten? Vielleicht möchten Sie auch nur innerhalb der Familie einen neuen Zugang zu dieser Thematik finden? Möglicherweise suchen Sie auch nur nach verlorengegangenem Wissen oder nach Möglichkeiten, nicht weiterhin anonym mit Trauer umgehen zu müssen.

In allen Fällen laden wir Sie gern zu Gesprächen ein. Suchen Sie Kontakt zu uns!