Geschichte der Hospizbewegung (kurzer Abriss)

„Es gibt ein Wachsen und Werden inmitten eines Zustandes, der nach Ende aussieht.“Cicely Saunders

Im Lateinischen bedeutet “hospitium” Herberge und Gastfreundschaft.
 Davon leitetet sich der Begriff „Hospiz“ ab. Dieser wurde für kirchliche Unterkünfte, Pilgerherbergen und  Armenhäuser verwendet. Aber auch im Begriff „Hospital“ findet sich diese Wortverwandtschaft wieder. Der ursprüngliche Gedanke der „Beherbergung“ wurde hier wieder aufgegriffen und beschreibt eine Einrichtung zur Pflege Kranker.

Erste Hospize, die sich entsprechend unseres Sinnverständnisses, speziell der Beherbergung, Betreuung und Pflege Sterbender widmeten, wurden bereits Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen. So gründeten irische Ordensfrauen 1879 in Dublin ein Hospiz für Sterbende, die allein und ohne Betreuung waren. 

Die moderne Hospizbewegung wurde durch die englische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders eingeleitet. Sie gründete 1967 in London den St. Christopher`s Hospice und fasste grundlegende Gedanken, die zur Gründung „ihres“ Hospizes führten, in ihrem Buch „Hospiz und Begleitung im Schmerz“ zusammen:

Der Patient soll nicht als schwerstkranker, sterbender Mensch in einem Klinikbett liegen, sondern in einer familiären Umgebung liebevoll umsorgt werden. Cicely Saunders zeigte auf, wie man durch Patientenbegleitung die Lebensqualität des Sterbenden verbessern kann. Sie prägte den Satz: „Wir werden tun, was wir können, um Ihnen zu helfen, nicht nur in Frieden zu sterben, sondern auch bis zuletzt zu leben: menschlich, würdig, schmerzfrei.“

Die zweite Frau, die die Hospizbewegung sehr geprägt hat, ist Dr. Elisabeth Kübler-Ross. Die Schweizer Ärztin, die in den USA viele Sterbende betreute, gilt als Begründerin der Sterbeforschung. Sie interviewte unheilbar Kranke und erfragte deren Gedanken zu Sterben und Tod. Ihre daraus resultierenden Erkenntnisse veröffentlichte sie in den 70er Jahren in ihrem Buch „Interviews mit Sterbenden“. Dort definierte sie die „Fünf Phasen des Sterbens“. Diese beziehen sich auf den Prozess des Annehmens und der geistigen Verarbeitung des Sterbens. Auch wenn sich seitdem viele Sichtweisen verändert haben, es neue Erkenntnisse und Erfahrungen gibt, sind diese Sterbephasen bis heute in der Sterbebegleitung anerkannt.

Über diese Erkenntnisse hinaus war aber entscheidend, dass durch ihre Arbeit der Blick der Öffentlichkeit wieder auf das Sterben gelenkt wurde. Bis dahin wurde die Thematik tabuisiert, das Sterben immer weiter an dem Rand der Gesellschaft gedrängt. Durch ihre Veröffentlichungen machte sie vielen Menschen Mut, sich auf dieses Thema einzulassen, Emotionen und Ängste zu benennen und Sterbeprozesse zu begleiten.

Zu den Pionieren der deutschen Hospizbewegung gehört Johann-Christoph Student. Er entwickelte theoretische und praktische Grundlagen für die Hospizarbeit in Deutschland. Seinen „Grundprinzipien der Hospizbewegung“ fühlen wir uns als Verein verpflichtet.

Das erste Hospiz Deutschlands wurde 1986 in Aachen eröffnet. Seitdem gründete man viele Hospize bzw. hospizliche Vereinigungen, schuf in Kliniken Palliativstationen und diskutiert dieses Thema auch politisch. Das Sterben beginnt wieder, zum Leben dazu zu gehören.